Nährstoffversorgung unter Kontrolle bei der Umstellung auf torffreie Substrate

Die Umstellung auf torffreie Substrate gewinnt an Dynamik. Diese Umstellung ist ein entscheidender Schritt zu mehr Nachhaltigkeit, bringt aber auch neue Herausforderungen für Baumschulen und Zierpflanzenkultivateure mit sich.

3Min

Auf dieser Seite:

    Düngestrategien müssen sorgfältig auf die verwendeten alternativen Rohstoffe in den neuen Substraten abgestimmt werden. Besonders wenn es um die Aufrechterhaltung eines ausreichenden Stickstoff- und Kalziumgehalts geht. Lianne van Wijk, International Technical Manager für den Zierpflanzenbau bei ICL, gibt praktische Einblicke in die Entwicklung des richtigen Düngungskonzepts und zeigt maßgeschneiderte Lösungen auf, die die Produzenten bei diesem Übergang unterstützen.

    Torf ist seit vielen Jahren der wichtigste Rohstoff bei Substraten für Topfpflanzen und Baumschulkulturen. Aufgrund der negativen Umweltauswirkungen, die mit seiner Gewinnung einhergehen, steht seine Nutzung jedoch zunehmend in der Kritik.

    „Die Kultivateure in Europa und weit darüber hinaus werden zwangsläufig den Torfanteil in ihren Kultursubstraten reduzieren oder ganz abschaffen müssen“, sagt Lianne. “Und viele haben bereits erhebliche Fortschritte in diese Richtung gemacht. Holz- und Kokosfasern sind derzeit die am häufigsten verwendeten Alternativen”.

     

    Torffreier Anbau erfordert Präzision

    Lianne räumt ein, dass die Arbeit mit Substraten, die wenig oder keinen Torf enthalten, ein komplexes Unterfangen ist. “Torf hat sehr spezifische Eigenschaften. „Er verfügt über eine hervorragende Pufferkapazität und hält sowohl Feuchtigkeit als auch Nährstoffe fest. Darüber hinaus trägt die Kalkung, die bei der Herstellung der Substrate dem Torf beigemischt wird, dazu bei, den pH-Wert stabil zu halten.“

    Viele Torfersatzstoffe bieten nicht dieselbe Pufferkapazität für Wasser, Nährstoffe oder den pH-Wert. Das bedeutet, dass die Düngungsstrategien entsprechend angepasst werden müssen. “Der richtige Ansatz hängt ganz von den spezifischen alternativen Materialien ab, mit denen Sie arbeiten. Es gibt keine Einheitslösung für alle. Es handelt sich wirklich um Präzisionsarbeit, und das macht sie so komplex.“

    Lianne van Wijk, International Technical Manager für Zierpflanzenbau bei ICL

     

    Stickstoff erfordert besondere Aufmerksamkeit

    Dennoch gibt Lianne einige wichtige Tipps. So ist beispielsweise das Stickstoffmanagement bei der Verwendung von torfarmen oder torffreien Substraten von entscheidender Bedeutung. „Viele Alternativen, wie beispielsweise Holzfasern, neigen dazu, während ihres Zersetzungsprozesses Stickstoff zu binden“, erklärt sie. „Daher ist besonders darauf zu achten, dass ein ausreichend hoher Stickstoffgehalt vorhanden ist. Außerdem speichern Alternativen wie Holzfasern und Rinde weniger Wasser, was bedeutet, dass Nährstoffe schneller ausgewaschen werden. Daher sind häufigeres Gießen und Düngen unerlässlich. Als Faustregel empfehlen wir, die Osmocote-Dosierung um etwa 20 % zu erhöhen.“

     

    Alternative Düngemittel in der Entwicklung

    ICL Growing Solutions unterstützt Produzenten während dieser Umstellung auf vielfältige Weise. Zum einen durch fachkundige Beratung zur Anpassung der Düngung und zum Testen verschiedener Düngungsstrategien. Zum anderen durch Investitionen in die Entwicklung neuer Düngemittelprodukte.

    „Wir bieten jetzt beispielsweise einen Dauerdünger mit kontrollierter Freisetzung (CRF) an, der über einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten Stickstoff abgibt“, sagt Lianne. „Bei alternativen Materialien wird es aufgrund des höheren Risikos der Nährstoffauswaschung immer wichtiger, während der gesamten Vegetationsperiode zusätzlichen Stickstoff zuzuführen.“

    Eine bevorstehende Innovation der umhüllten Dauerdünger ist eine vollständig biologisch abbaubare Umhüllung. „Damit reagieren wir auf die für 2028 geplante Gesetzgebung, nach der alle umhüllten Düngemittel innerhalb von vier Jahren nach ihrer Freisetzung vollständig abgebaut sein müssen.“

    Parallel dazu entwickelt ICL Growing Solutions neue Kalziumlösungen. „Torfmischungen werden in der Regel mit Kalk versetzt, um den pH-Wert zu erhöhen, aber das ist bei vielen Alternativen nicht der Fall. Deshalb ist oft eine zusätzliche Kalziumzugabe erforderlich.“

     

    Ein vollständiger Plan für die Nährstoffversorgung

    Während Stickstoff und Kalzium im Mittelpunkt stehen, betont Van Wijk, wie wichtig es ist, das gesamte Nährstoffbild zu betrachten. „Alles muss im Gleichgewicht sein. Man muss auch den Kalium- und Phosphatgehalt im Auge behalten und die Rolle der Mikronährstoffe nicht unterschätzen. Das ist fortgeschrittene Düngung – um den Mikronährstoffgehalt zu verstehen, muss man die genaue Zusammensetzung des Substrats genau kennen.“

     

    Substratproben sind unerlässlich

    Ihr Rat für Produzenten, die mit (teilweise) torffreien Substraten experimentieren: Nehmen Sie regelmäßig Substratproben.

    „Beginnen Sie zu Beginn des Wachstumszyklus mit einer Basisprobe. Das gibt Ihnen einen Ausgangspunkt. Führen Sie während des gesamten Wachstumszyklus weitere Probenahmen durch, damit Sie die Entwicklung der Nährstoffwerte überwachen und entsprechend anpassen können. Vergessen Sie nicht, auch Ihr Bewässerungswasser zu untersuchen – und passen Sie Ihre Düngungsstrategie an die Ergebnisse an. Denn letztendlich bedeutet Messen Wissen.“

    Weitere Beiträge