Blattdünger zum Einsatz in der Landwirtschaft

Die Auswahl des richtigen Blattdüngers behebt akute Nährstoffmängel und steigert den Erfolg im Ackerbau.

Juli 14, 2022
3Min

Die Blattdüngung ist eine äußerst wirksame Methode, um Nährstoffe über die Blätter und nicht über die Wurzeln zuzuführen. Durch das direkte Besprühen der Blattoberfläche mit wasserlöslichen Düngemitteln können Nährstoffmängel schnell behoben und die Pflanzen wieder gestärkt werden.

Die erstmals in den 1870er Jahren entdeckte Blattdüngung hat sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt und ist heute als effiziente und hochwirksame Methode zur Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen anerkannt.

Um erfolgreich zu sein, hängt die Blattnahrung nicht nur von der Zufuhr von Nährstoffen ab, sondern auch von der richtigen Wechselwirkung zwischen diesen Nährstoffen (Nährstoffantagonismus) und der Umwelt sowie der Physiologie der Pflanzen.

 

Auf die Nährstoffquelle kommt es an

Es gibt drei Nährstoffquellen für die Blattnahrung: anorganische, organische Komplexe und synthetische Chelate. Jede dieser verschiedenen Nährstoffquellen hat unterschiedliche Eigenschaften, darunter Löslichkeit, Molekülgröße, elektrische Ladung und Zerfließpunkt. Die Kombination dieser Eigenschaften wirkt sich auf die Absorption, die Verlagerung und letztlich auf die Effizienz der Blattnahrung aus.

 

Löslichkeit und Absorption

Damit Nährstoffe erfolgreich über die Blätter aufgenommen werden können, müssen sie gelöst sein, nicht nur in einer Flüssigkeit suspendiert. Untersuchungen, bei denen lösliches ZnSO4 mit einem Zinkoxid in nanopartikulärer, schwerlöslicher Form verglichen wurde, haben gezeigt, dass das Zinkoxid, selbst wenn es im Nanometerbereich (kleiner als 100 nm) liegt, immer noch in geringerem Maße aufgenommen wird als die Ausgangsstoffe mit höherer Löslichkeit.

 

Foliar absorption of zinc from soluble sources can be up to 92 times greater than zinc in nanoparticulate oxide form

Die Blattabsorption von Zink aus löslichen Quellen kann bis zu 92 Mal höher sein als die von Zink in Form von Nanopartikeln.

 

Die Molekülgröße beeinflusst Absorption

Die unterschiedlichen Größen der Nährstoffmoleküle beeinflussen die Geschwindigkeit der Absorption durch die Pflanzenoberfläche oder Kutikula. Die Poren der Kutikula können Partikel bis zu 2,4 nm aufnehmen, während Partikel bis zu 43 nm durch die Spaltöffnungen gelangen können. Untersuchungen zur Größe von Düngemittelpartikeln ergaben, dass viele Partikel eine durchschnittliche Größe von mehr als 100 nm haben, was darauf hindeutet, dass eine Absorption dieser Nährstoffe durch die Blätter unwahrscheinlich ist.

 

Wie sich die elektrische Ladung eines Nährstoffs auf die Aufnahme und Verlagerung von Nährstoffen auswirkt

Die Blattkutikula von Pflanzen ist negativ geladen. Dies bedeutet, dass ungeladene oder positiv geladene Nährstoffe die Kutikula durchdringen und eine größere Kapazität haben, sich im Blattgewebe zu bewegen. Chelatierte Nährstoffe, deren elektrische Ladung neutralisiert ist, haben eine größere Chance, aufgenommen und zu anderen Pflanzenorganen transportiert zu werden, was ihre Effizienz verbessert.

 

Der Deliqueszenzpunkt

Die Definition des Deliqueszenzpunktes ist der Grad der relativen Luftfeuchtigkeit, bei dem ein Salz zu einem gelösten Stoff wird. Wenn die Luftfeuchtigkeit über diesem Wert liegt, löst sich die Salzverbindung auf und kann vom Blatt aufgenommen werden. Dieser Wert ist bei den verschiedenen Nährstoffquellen unterschiedlich, kann aber auch durch Zusätze beeinflusst werden. So ist es z. B. wichtig, Tenside mit chelatisierten Nährstoffen zu verwenden, da diese den Zerfließungspunkt drastisch herabsetzen, so dass sie auch bei relativ geringer Luftfeuchtigkeit leichter aufgenommen werden können.

 

Cuticle penetration of different sources of Manganese and Zinc with and without surfactants

Penetration der Cuticula durch verschiedene Mangan- und Zinkquellen mit und ohne Tenside.

 

Sicherheit und Verträglichkeit von Blattdüngern

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Nährstoffe wirken sich nicht nur auf die Fähigkeit zur Aufnahme und auf den Transport innerhalb der Pflanzen aus. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kompatibilität mit anderen Produkten. Werden beispielsweise Nährstoffe mit Pflanzenschutzmitteln im Tank der Spritze gemischt, lassen sich die Betriebskosten senken, da sowohl die Blattnährstoffe als auch das Pflanzenschutzmittel in einer einzigen Anwendung ausgebracht werden. In einigen Fällen verringern die Nährstoffe jedoch die Effizienz der Pflanzenschutzmittel, und zwar von 70 % auf 25 %. In anderen Fällen können sich die Produkte destabilisieren und Klumpen in der Lösung bilden, die das Filtersystem des Sprühgeräts verstopfen und den Durchfluss durch die Düsen beeinträchtigen, was die Effizienz der Blattdüngung verringert und gleichzeitig die Lebensdauer der Düsen verkürzt.